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Kapitalanlage: Lebensversicherung

lebensversicherungWas ist eine Lebensversicherung?
Eine Lebensversicherung soll das Lebensrisiko der versicherten Person oder deren Angehörigen absichern. Im Falle des Todes oder des Erreichens eines bestimmten Alters wird die Versicherungsleistung an den Versicherten oder einen Begünstigten ausbezahlt. Dabei wird eine vorher festgelegte Geldsumme geleistet und es kommt nicht auf den entstanden Schaden insgesamt an. Schwere Krankheiten, Berufs- und Erwerbsunfähigkeit können ebenfalls abgesichert sein und eine Leistungspflicht auslösen. Eine besondere Form stellt die private Rentenversicherung dar, bei der statt einer Gesamtsumme monatliche Rentenzahlungen vom Versicherer geleistet werden.

Variationen von Lebensversicherungen
Lebensversicherungsverträge sind individuelle Verträge und werden speziell angepasst. Hierbei gibt es aber Grundmodelle, welche sich auch kombinieren lassen. Man unterscheidet Lebensversicherung zum einen nach ihrem Versicherungsfall, also den Fall des Todes oder das Erreichen eines bestimmten Alters, sowie das Eintreten der Berufsunfähigkeit. Bei der Kapitalbildung ist auf der einen Seite die Absicherung für den Unglücksfall (Risikoversicherung) oder eine kapitalbildende Versicherung möglich. Bei der Ausschüttung bestehen die Varianten der Ausbezahlung einer festen Summe (konventionellen Lebensversicherung), Versicherungsleistungen die in Fonds oder Anleihen angelegt werden (Fondgebundene Lebensversicherung) oder die Versicherungsleistung orientiert sich an einem Index (indexgebundene Lebensversicherung). Zudem werden die Arten der Leistungserbringung unterschieden. Die Ausschüttung einer festen Leistung zu einem bestimmten Termin, eine Beitragsbefreiung oder laufende monatliche Auszahlungen bis zum Todesfall. Weiterhin können sich die Versicherungen durch ihre staatliche Förderung unterscheiden, wie Dirketversicherungen, vermögensbildende Lebensversicherungen mit vermögenswirksamen Leistungen, Riester-Rente mit zusätzlicher kapitaldeckender Altersvorsorge nach dem Altersvermögensgesetz (AvmG) oder die Basisrente (Rürup-Rente). Diese unterschiedlichen Ausprägungen finden sich im den meisten Lebensversicherungen wieder um möglichst alle Aspekte des Kunden zufrieden stellend abdecken zu können.

Rechtliche Bedingungen
Eine Lebensversicherung darf in Deutschland nur von Anbietern in der Form einer Aktiengesellschaft (AG), eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit (VVaG) oder einer Anstalt oder Körperschaft des öffentlichen Rechts ausgegeben werden. Niederlassungen von ausländischen Gesellschaften, außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums, bedürfen der Zulassung. Innereuropäische Gesellschaften können hingegen direkt von ihrem europäischen Hauptsitz aus agieren. Rechtsgrundlage für diese Bestimmungen ist das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und die Kontrolle der Bestimmungen übernimmt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Der Vertrag selbst wird zivilrechtlich behandelt und kommt durch Angebot und Annahme, also übereinstimmenden Willenserklärungen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zustande. Insbesondere sind hier die Allgemeinen Geschäftsbedingen (AGB) relevant, welche bei Versicherungsverträgen meist allgemeine Versicherungsbedingungen (AVB) oder allgemeine Lebensversicherungsbedingungen (ALB) genannt werden. Der Versicherungsschutz tritt ein, wenn die Übersendung der Versicherungsurkunde erfolgt ist. Beim Versicherungsbeginn wird zwischen dem technische, dem rechtlichen und dem materiellen Beginn unterschieden. Der technische Beginn bezeichnet den Zeitpunkt des Versicherungsbeginns, welcher im Vertrag vereinbart worden ist. Der rechtliche Beginn tritt erst dann ein, wenn der Versicherungsvertrag tatsächlich rechtlich wirksam geworden ist. Als materieller Beginn wird der Zeitpunkt bezeichnet, an dem der erste Versicherungsbeitrag geleistet worden ist. Bedeutsam wird dies bei Verjährungs-, Rücktritts- und Kündigungsfristen. Sowohl dem Versicherer, als auch dem Versicherten obliegen bestimmte vertragliche Nebenpflichten. Besonders bedeutsam ist hier die Auskunftspflicht des zu Versichernden über bestehende Krankheiten. Werden solche Obliegenheiten verletzt kann der Lebensversicherer, auch noch nach dem Tod des Versicherten, in den ersten drei Vertragsjahren zurücktreten. Die Beweispflicht liegt dann beim Versicherungsnehmer. Nach den drei Jahren ist nur noch eine Anfechtung aufgrund arglistiger Täuschung möglich und die Beweislast obliegt dem Versicherungsunternehmen. Viele Verträge sehen zudem vor, dass bei Suizid innerhalb der ersten drei Vertragsjahre kein Versicherungsfall entsteht und keine Leistung bezahlt wird. Fälle in denen der Berechtigte den Versicherten aus Habgier tötet, lösen auch keine Leistungspflicht der Versicherung aus. Neben der Versicherungsgesellschaft können drei verschiedene Personen auf der Kundenseite stehen. Zum einen der Beitragszahler selbst, die versicherte Person und der Bezugsberechtigte. Die zu versicherte Person, muss jedoch über die Versicherung informiert sein und ihr auch zustimmen (§ 159 VVG).

Versicherungsleistung
Der Lebensversicherungsvertrag endet mit dem Tod der versicherten Person, dem Erreichen des Zielalters oder durch Kündigung. Die Versicherungsgesellschaft kann jedoch nur kündigen, wenn die Beiträge nicht erbracht wurden (§ 38 VVG). Je nach Vertragsgestaltung entfallen nach dem Ende der Versicherung auch etwaige Zusatzversicherungen. Bei der Kündigung durch den Versicherten selbst wird der Vertrag abgewickelt und es muss der Rückkaufswert erstattet werden, wenn dies vertraglich oder gesetzlich festgelegt wurde. Bei einer Auflösung des Vertrags im letzen Versicherungsjahr besteht die Besonderheit, dass der Vertrag weiterlaufen kann und der Schutz weiter besteht. Die Versicherungssumme wird dann um die ausstehenden Beträge reduziert, besteht aber fort. Dieses Verfahren wird als Diskontierung bezeichnet. Kündigt der Versicherte die Police vor dem Ende der Laufzeit, kann es sich anbieten die Versicherung auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen zu verkaufen, da hier meist höhere Erträge erzielt werden können, als der von der eigenen Versicherung angebotene Rückkaufswert.

Rechtseinräumung an Dritte
Die Einräumung von Rechten für Dritte am Vertrag ist auf verschiedene Weise möglich. Hierbei müssen diese Änderungen jedoch dem Versicherer angegeben werden und werden erst mit Zugang in der Reihenfolge des Eingangs gültig. Dem Pfandgläubiger wird dann in der Regel der Versicherungsschein ausgehändigt, da nur gegen Vorlage dieses Scheins Leistungen empfangen werden können. Der Versicherungsnehmer kann gem. § 185 VVG durch Anzeige beim Versicherungsunternehmen den Ausschluss der Verwertbarkeit bewirken. Damit ist für eine gewisse Zeit oder ständig der eigene oder fremde Zugriff verwehrt. Dies ist jedoch unumkehrbar, sodass Verpfändungen und Abtretungen nicht mehr möglich sind. Sonst sind allerdings Abtretungen und Verpfändungen grundsätzlich möglich. Bei einer passiven Rechtseinräumung, also Pfändungsmaßnahme im Sinne des BGB, wird ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss bei der Versicherungsanstalt angezeigt, welche dann die Rechte an der Lebensversicherung an den Gläubiger abtritt.

Beiträge und Kosten
Aufgrund der extrem langen Laufzeit von Lebensversicherungsverträgen hat sich der europäische Binnenmarkt auf strenge Regeln und Verpflichtungen geeinigt. Nur ausreichend vorsichtig gewählte Beiträge sind gültig und es muss ein Nachweis vorliegen, dass diese Beiträge nach den Methoden der Versicherungsmathematik erstellt worden sind. Betrag und Leistung werden hierbei nach dem Äquivalenzprinzip berechnet. Die Kosten einer Lebensversicherung setzen sich aus Verwaltungskosten, Inkassokosten, Ratenzuschlägen und Abschlusskosten zusammen. Bei den Ratenzuschlägen handelt es sich insbesondere um Kosten, welche entstehen, wenn die Versicherungsprämie nicht einmal jährlich sondern monatlich beglichen wird. Der Versicherungsschutz besteht dann nur für den gezahlten Monat und durch das höhere Verwaltungsaufkommen wird meist ein Zuschlag von bis zu fünf Prozent fällig.

Sicherheit
Die Versicherungsgesellschaften müssen Vermögenswerte in Höhe der Versicherungssumme vorhalten, um im Falle einer Insolvenz der Gesellschaft den Versicherten ein Insolvenzprivileg einzuräumen. Zugriff auf diese Anlagen hat die Gesellschaft nur zusammen mit einem Treuhänder. Die Überwachung übernehmen der Treuhänder und die BaFin. Gebunde Vermögen, beispielsweise Geldanlagen, unterliegen strengeren Vorschriften. Diese werden in der Anlagevorordnung geregelt. Zudem sind die Versicherungsunternehmen verpflichtet die Anlagegrundsätze von Streuung, Mischung, Sicherheit, Rendite und Liquidität zu beachten. Grundsätzlich besteht ein Verbot mehr als 35 Prozent des Sicherungsvermögens in Aktien zu investieren. Dies ist europaweit einheitlich geregelt.

Überschussbeteiligung
Alle deutschen Lebensversicherungsverträge sind grundsätzlich überschussbeteiligt, soweit es nicht ausdrücklich im Vertragstext ausgeschlossen worden ist. Die Versicherer sind verpflichtet einen angemessenen Teil der Überschüsse und Wertzuwächse an die Kunden weiter zu geben. Dies wurde durch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG Az. 1 BvR 80/95 vom 25.7.2005) in einem Grundsatzurteil festgelegt und daraufhin vom Gesetzgeber im neuem VVG festgeschrieben. Da der Begriff „angemessen“ ein unbestimmter Rechtsbegriff ist, ist die BaFin gehalten, diesen Begriff zu prägen und zu überwachen. In der Regel müssen 90 Prozent der Überschüsse an die Versicherungsnehmer ausgeschüttet werden. Dies kann in Form einer Erhöhung der Gesamtauszahlungssumme, durch eine Gutschrift oder in Form der Tilgung bzw. Verringerung von Beiträgen erfolgen. Am häufigsten wird jedoch der Überschuss separat in einer verzinslichen Anlageform, wie Investmentfonds, angelegt und als Sparguthaben nebenher geführt.

Häufige Versicherungsarten – Risikoversicherung
Diese Form der Lebensversicherung deckt einen bestimmten Unglücksfall bzw. ein bestimmtes Risiko ab. Meist wird das Leben und die Berufsunfähigkeit versichert. Man unterscheidet hier eine gleich bleibende Versicherungshöhe oder abfallende mit steigendem Lebensalter. Letztere wird insbesondere zur Absicherung von Darlehen verwendet. Tritt das Ereignis während der Laufzeit nicht ein, werden keine Leistungen fällig. Diese Form ist insbesondere zur Absicherung von wirtschaftlich abhängigen Angehörigen und zur Sicherung von Verbindlichkeiten geeignet. Einen Sonderfall stellt die Risiko-Lebensversicherung auf verbundene Leben dar. Hier werden mindestens zwei Personen versichert. Tritt ein Todesfall ein, ist die andere Person mit der Schadenssumme abgedeckt. Meist wird diese Form von Eheleuten gewählt um im Sterbefall den jeweils anderen finanziell abzusichern. Obwohl es sich nicht um eine kapitalbildende Lebensversicherung handelt, wird teilweise bei langen Laufzeiten die Zahlung eines Rückkaufswerts vereinbart.

Häufige Versicherungsarten – Kapitalbildende Versicherung
Die klassische Form ist die gemischte Lebensversicherung auf den Todes- bzw. den Erlebnisfall. Unter allen Umständen wird zu einem bestimmten Zeitpunkt die Leistung fällig, entweder mit dem Tod oder dem Ablauf des Vertrages. Daher muss die Versicherungssumme hier über die Jahre angespart werden. Diese Art der Lebensversicherung ist als Altersvorsorge gedacht. Bei Vertragsablauf besteht für den Kunden häufig ein Wahlrecht, ob er die gesamte gesparte Summe ausbezahlt haben will oder eine monatliche Rente (so genanntes Kapitalwahlrecht). Seit dem 1. Januar 2005 sind Auszahlungen von Kapitalerträgen jedoch nicht mehr steuerfrei, sondern nur noch steuerbegünstigt. Vor allem die Riester-Rente und die Rürup-Rente sind steuerlich gefördert, auch mit zusätzlichen staatlichen Leistungen. Bei diesen besteht dann jedoch kein Kapitalwahlrecht, da es durch das Alterseinkünftegesetz verboten ist. Auch eine Beleihung, Übertragung oder Verwertung ist bis zum 60.Lebensjahr nicht möglich. Eine verbundene Versicherung zweier Ehepartner ist hier in der Regel möglich. Die Anpassungen und Variationen sind hier zahlreich und sollten exakt an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Sollte die Versicherung gekündigt werden, darf der gesetzliche Mindestrückkaufswert nach § 169 Abs. 3 VVG nicht um Stornoabschläge gemindert werden.

Häufige Versicherungsarten – Fondsgebundene Versicherung
Die fondgebundenen oder auch indexgebundenen Lebensversicherung sind kapitalbildende Lebensversicherungen, bei der der gesamte oder überwiegende Teil der Leistung an der Wertentwicklung eines bestimmten Finanzinstruments (z.B. Investmentfonds) gebunden ist. Hier wird keine Verpflichtung über eine bestimmte Auszahlungshöhe gegeben. Daher ist diese Lebensversicherungsform risikoreicher, da sie je nach Marktlage stark oder schwach schwanken kann. Inzwischen gibt es aber auch Anbieter, welche eine bestimmte Auszahlungssumme garantieren. Teilweise bekommt auch der Kunde die Möglichkeit die Anlagestrategie mitzubestimmen (z.B. Shifting und Switching von Fonds). Für den Todesfall wird hier meist die Auszahlung der geleisteten Beträge vereinbart. Überschüsse werden in Deutschland traditionell an den Kunden weitergegeben. Häufig in Form einer Barauszahlung oder einer Neuanlage. Da Fondsgebundene Versicherungen stark dem Weltwirtschaftsklima unterworfen sind, besteht zudem häufig die Möglichkeit den Vertrag bei Ablauf zu verlängern, um in einer schlechten Wirtschaftslage nicht zwingend und meist verlustbringend verkaufen zu müssen. Ein Ablaufmanagement kann ebenfalls vereinbart werden. Hier werden einige Zeit vor dem Ende des Vertrags die Fondanteile in schwankungsarme Fondsarten (meist Renten- und Geldmarktfonds) umgeschichtet. Zudem besteht die Option, sich die Fonds nach dem Vertragsende in das eigene Depot überschreiben zu lassen und so als Geldanlage weiter zu verwerten. Ein Teilrückkauf, die so genannte Abrufoption, ist ebenfalls möglich. Hier können Kunden während der Laufzeit Teilbeträge aus dem Guthaben zurückerlangen. Ebenso ist eine Zuzahlung und Aufstockung möglich.

Steuerliche Aspekte
Während der Laufzeit des Vertrags konnten früher Beiträge für kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen geltend gemacht werden. Dies ist nur noch bei den staatlichen Renten (Riester und Rürup) möglich. Bei der Auszahlung nach Vertragsablauf ist zu differenzieren. Für Verträge, die vor dem 1. Januar 2005 geschlossen wurden, mindestens zwölf Jahre lang liefen, eine Beitragszahlung mindestens fünf Jahre lang erfolgte und einen Mindesttodesfallschutz von 60 Prozent hatten, haben Bestandsschutz und sind daher steuerlich begünstigt. Wird eine monatliche Rentenzahlung vereinbart, muss nach dem alten Recht diese nur teilweise versteuert werden. Bei vorzeitiger Beendigung eines alten Vertrages fällt jedoch zudem die Kapitalertragssteuer an. Für neue Verträge (ab dem 1. Januar 2005) wird bei Vertragsende die Hälfte der Summe mit dem eigenen Steuersatz versteuert, wenn die Vertragslaufzeit mindestens 12 Jahre betrug und das 60. Lebensjahr vollendet wurde. Die Kapitalertragssteuer wird hierbei verrechnet. Werden die Vorraussetzungen nicht erfüllt, ist die gesamte Summe zu versteuern. Steuerlich günstiger hingegen kann die zu Lebenszeiten vereinbarte Übertragung der Versicherung im Erbfall sein. Hier wird nur die Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer fällig. Welche Variante jeweils zu bevorzugen ist, ist stark abhängig von den geltenden Steuergesetzen und starken Schwankungen der Politik unterworfen.

Kurzfassung
Lebensversicherungen können entweder nur ein Risiko (Tod oder Berufsunfähigkeit) absichern, oder als Altersvorsorge angelegt werden. Die Arten der Anlagen sind vielfältig und haben verschieden hohe Risiken. Aufgrund der sehr langen Laufzeiten wirken sich Kündigungen meist negativ aus, da der Rückkaufswert gering ausfällt. Eine solche Anlage eignet sich also primär zur Altersabsicherung oder zur Sicherung der Familien im Ablebensfall.

 

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