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Rechtshinweise: Fonds

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In Funk und Fernsehen, Printmedien und Banken begegnen uns ständig Angebote für Investmentfonds. Was ein Fond eigentlich ist und welche Risiken und Kosten damit verbunden sind soll im Folgenden dargelegt werden. 

Gesetzliche Grundlagen
Die rechtlichen Grundlagen sind in Deutschland im Investmentgesetz (InvG) und im Investmentsteuergesetz (InvStG) geregelt. Zudem gibt der Staat teilweise Anreize zum Erwerb von Fonds. Eine Möglichkeit der staatlichen Förderung sind die vermögenswirksamen Leistungen. Arbeitnehmer, welche den Aufbau eines Fonddepots anstreben, bekommen hier vom Staat eine Sparzulage. Dies ist jedoch abhängig von der Art des Fonds und den allgemeinen Einkommensverhältnissen. Eine weitere staatliche Förderung ergibt sich aus der Kombination der Riester-Rente mit offenen Investmentfonds. Hier gibt es viele verschiedene Modelle der Anlage in Investmentfonds. Alle eint jedoch die garantierte Rente. Nur unter dieser Voraussetzung fördert der Staat die Anlageform. Weiterhin relevant für den Anleger sind die steuerlichen Aspekte. Seit dem 1. Januar 2009 gilt in Deutschland die Abgeltungssteuer. Alle Kapitalerträge, die der Anleger erwirtschaftet, sind nunmehr steuerpflichtig. Nur Gewinne und Verkäufe von Wertpapieren die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden unterliegen diesen Regelungen nicht und sind steuerfrei. Zu beachten ist hierbei jedoch die Spekulationsfrist von einem Jahr. Erst wenn ein Jahr nach dem Kauf vergangen ist, kann das Wertpapier steuerfrei veräußert werden. Ansonsten fallen auch hier Steuern an.

Erwerb
Fonds können auf verschiedenen Wegen erworben und gehandelt werden. Die häufigste Form ist der Erwerb bei Banken oder Finanzvertreibern. Dabei wickelt der Anbieter den Auftrag meist durch eine Investmentgesellschaft ab, was zu niedrigeren Ausgabeaufschlägen führt. Ein freier Fondvermittler ist eine andere Alternative Fonds zu erwerben. Der Vermittler arbeitet dabei meist mit einer Depotbank zusammen und ist so der Mittelsmann zwischen Anleger und Bank. Hierbei kann er meist günstigere Konditionen anbieten. Ebenfalls möglich ist der Erwerb direkt an einer Börse. Seit 2002 hat die Börse Hamburg als Fondbörse Deutschland, als erste deutsche Börse den Fondhandel aufgenommen. Inzwischen sind auch die Börsen in Frankfurt am Main, München und Stuttgart dem Beispiel gefolgt. Ist ein Fonds börsenfähig und hat er die entsprechende Zulassung, kann er genau wie Aktien frei gehandelt werden. Ein Ausgabeaufschlag entfällt hier zwar, jedoch muss der Investor hier die übliche Ordergebühr der beauftragten Bank und eine Maklercourtage als Gebühr entrichten. Eine weitere Erwerbsmöglichkeit ist der direkte Kauf eines Fonds bei einer Investmentgesellschaft. Hier schließt der Anleger unmittelbar einen Vertrag mit dem Anbieter, ohne Zwischenstationen, ab. 

Kosten
Nicht nur die Gewinnaussichten sind für einen Fond entscheidend, sondern auch die Kosten, welche durch die Verwaltung und Herausgabe verursacht werden. Zu den Kosten gehören Ausgabeaufschläge (Agio) und oder Rücknahmeabschläge (Disagio). Wird der Fonds also gekauft, ist der Kaufpreis etwas höher als der Wert des Fonds (beim Agio). Im umgekehrten Fall (beim Rücknahmeabschlag) wird der Verkaufspreis niedriger sein als der Wert des Fonds. Hinzu kommen Verwaltungskosten- und gebühren der Investmentgesellschaft und teilweise auch erfolgsabhängige Vergütungen. Ebenfalls muss die Depotbankgebühr mit berücksichtigt werden, da es in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist die Vermögensgegenstände eines Fonds bei einer Depotbank zu hinterlegen. Die anfallenden Kosten belaufen sich im Regelfall zwischen drei und sieben Prozent des Anteilswertes. Die zentrale Kennzahl zur Einschätzung der anfallenden Kosten und Gebühren (ohne den Ausgabeaufschlag) ist die TER (Total Expense Ratio).

Offener Investmentfond
Bei einem offenen Investmentfond sammelt eine Investmentgesellschaft (auch Kapitalanlagegesellschaft) das Geld der Anleger und bündelt dies zu einem gesamten Sondervermögen, dem Investmentfond. Je nachdem wie hoch die Einzahlung des Anlegers ist, bekommt er einen entsprechenden Anteil am Investmentfonds. Das Geld wird in vorher vereinbarten a, wie z.B. Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Währungen oder Immobilien investiert. Dabei muss der Investmentfond im Regelfall dem Grundsatz der Risikomischung einhalten. Es darf also beispielsweise nicht nur in eine Aktienart oder nur in eine Immobilie investiert werden. Dadurch sollen die Anleger vor dem Totalausfall beschützt werden. Mit dem Kauf eines Investmentfonds wird der Anleger Miteigentümer am gesamten Fondvermögen und hat einen Anspruch auf Gewinnbeteiligung und Anteilsrückgabe zum jeweils gültigen Rücknahmepreis. Bei einem offenen Immobilienfond besteht jedoch die rechtliche Besonderheit darin, dass die Investmentgesellschaft formal Eigentümer des Fondvermögens ist und dementsprechend auch im Grundbuch verzeichnet wird. Der Wert eines Fonds errechnet sich aus dem gesamten Fondvermögen, dividiert durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile. Das Fondvermögen muss nach deutschem Recht als Sondervermögen geführt werden, also strikt getrennt von anderen Vermögen verwaltet werden. Dies dient der Absicherung im Insolvenzfall und damit dem Vermögenserhalt. Das Vermögen steigt jeweils durch Kurs-, Dividenden- und Zinsgewinne. Bei Rückerstattungen von Anteilen und Verlusten der Gesellschaft sinkt das Vermögen. Fonds können entweder direkt an der Börse gehandelt werden oder werden durch die Investmentbanken herausgegeben. Offene Fonds und Kapitalanlagegesellschaften werden aufgrund von § 5 InvG durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht und kontrolliert. Offene Investmentfonds müssen zudem einmal im Jahr einen Jahresbericht erstellen, sowie halbjährig einen Halbjahresbericht. Ebenfalls ist ein einfacher oder ausführlicher Verkaufsprospekt für alle offenen Investmentfonds Pflicht. Dieser informiert den Anleger über die Anlagestrategie und die Kosten und Risiken. Die Bewertung der Fonds erfolgt durch internationale Ratingagenturen (z.B. Morningstar). Neben der staatlichen Kontrolle hat der offene Investmentfond den Vorteil, dass ein Anleger entweder mit einer Einmalzahlung oder einer kleinen monatlichen Rate (in Verbindung mit einem Sparplan) investieren kann. Des Weiteren kann der Fond, aufgrund der Vermögensbündelung vieler Anleger, am Markt als Großkunde auftreten und bessere Konditionen erreichen. Zudem können sich die Anleger das professionelle Wissen der Gesellschaften zu nutze machen. Dieses spezielle Wissen und die Handlungsmöglichkeiten fehlen grundsätzlich dem Kleinanleger. Ebenfalls ist aufgrund der Risikostreuung auch das Anlegerrisiko kleiner als bei einem direkten Investment in einen einzigen Vermögensgegenstand. Einen weiteren Vorteil bietet der börsentägliche Verkauf der Anteile. Sollte der Anleger also kurzfristig Geld benötigen, kann er jederzeit aussteigen. Durch die spezielle gesetzliche Regelung und Überwachung ist auch im Insolvenzfall das angelegte Vermögen größtmöglich geschützt. Ebenfalls ist die Kostentransparenz für den Anleger von großer Bedeutung. Bei offenen Investmentfonds wird bereits bei Vertragsschluss genau Auskunft über die anfallenden Kosten gegeben, was bei anderen Anlageformen meist nicht möglich ist. Kaum eine andere Anlageform kann in Deutschland als so sicher und gut überwacht gelten. Ein Nachteil hingegen kann es sein, dass der Anleger sein Stimmrecht nicht ausüben kann. Obwohl er Miteigentümer von erworbenen Aktien ist, führt die Investmentgesellschaft gemäß § 32 Abs. 1 InvG das Stimmrecht aus. Ein weiterer Nachteil ist es, dass der einzelne Anleger in der Regel keinen Anspruch auf individuelle Informationen oder Auskünfte über den Fond hat. Lediglich ein Informationspaket und der Verkaufsprospekt informieren alle Anleger gleichermaßen über das Produkt. Dies wird auch von der Literatur und der Rechtssprechung als ausreichend empfunden.

Geschlossener Investmentfond
Der geschlossene Investmentfond (closed-end-Fond) unterliegt den Beschränkungen hinsichtlich der Möglichkeit zu welchem Zeitpunkt Anteile erworben oder zurückgegeben werden können. Demzufolge unterliegt der Fond einem bestimmten Zeitfenster, in dem Anleger Anteile erwerben können. Anschließend wird der Fond geschlossen und es besteht keine Erwerbsmöglichkeit mehr. Nur offene Investmentfonds sind im deutschen Recht (durch das Investmentgesetz) geregelt. Geschlossene Investmentfonds hingegen werden meist als GmbH & Co. KG ausgestaltet und unterliegen den allgemeinen Gesellschaftsgesetzen. Da eine gesetzliche Regelung für geschlossene Fonds fehlt, wird diese Fondart auch nicht von der BaFin überwacht und allgemein als grauer Kapitalmarkt bezeichnet. Werden Anteile jedoch öffentlich angeboten, prüft die BaFin vorher ob hierfür ein Prospekt angefertigt wurde und ob es den Regelungen des Verkaufsprospektgesetzes entspricht. Überwiegend werden Güter wie Immobilien, Schiffe oder Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energien als Grundlage für geschlossene Fonds genutzt. Der Erwerb eines solchen Fonds geschieht durch den Kauf der Kommanditeinlage (bei einer GmbH und Co. KG). Dadurch wird der Anleger Mitgesellschafter mit beschränkten Rechten. Da in der Regel die Gesellschaftsanteile nicht frei handelbar sind, hat sich für die Verwertung von zurückgegebenen Beteiligungen ein Zweitmarkt entwickelt (z.B. an der Börse Hamburg). Ziel des Fonds ist es, durch die Anlage jährliche Gewinne zu erzielen und an die Anleger auszuschütten. Vor dem November 2005 wurden geschlossene Fonds teilweise auch zur Steuerstundung benutzt, was nach der Änderung der §§ 15 a und 15 b Einkommensteuergesetz (EStG) nicht mehr möglich ist. Der geschlossene Investmentfond ist zudem dem hohen Risiko des Totalverlustes ausgesetzt, da für diese Fonds keine gesetzliche Einlagensicherung festgeschrieben ist. Weiterhin ist die Nachschusspflicht zu beachten, da Anleger hier wie Gesellschafter behandelt werden und daher auch mithaften. Zwar ist die Haftung in erster Linie auf das eingebrachte Kapital begrenzt, jedoch können auch frühere Ausschüttungen des Fonds zurückgefordert werden (§ 172 HGB). Der Bundesgerichtshof hat jedoch am 20. Januar 2009 (Aktenzeichen: XI ZR 510/07) die Rechte der Anleger gestärkt. Banken, welche geschlossene Fonds verkaufen, müssen künftig ihre Eigeninteressen darlegen und sind bei einem Verstoß schadensersatzpflichtig. Da jedoch die gesetzliche Kontrolle weitestgehend fehlt, haben auch unseriöse Fonds den Markt infiltriert. Die Vertrauenswürdigkeit und die Risikobewertung sollte bei dieser Fondart also genau untersucht werden.

Rentenfonds
Ein Rentenfond ist ein Investmentfond, welcher ausschließlich oder zum größten Teil in festverzinsliche Wertpapiere (z.B. Pfandbriefe oder Anleihen) investiert. Der Wertzuwachs des Fonds wird hier durch Zinsgewinne, sowie über den Handel mit den Wertpapieren erzielt. Bei sinkenden Zinsen profitieren die Rentenfonds überproportional, da in dieser Zeit die Kurse für Anleihen stark ansteigen. Anleger und Sparer welche langfristig stetige Erträge erwirtschaften wollen, sind das Hauptklientel dieser Fondart. Je nachdem in welchem Segment der Fond investiert sind auch die Erträge und Risiken unterschiedlich. Bei Anlagen in Staatsfonds oder Unternehmensanleihen mit hoher Bonität ist die Sicherheit hoch, die Erträge jedoch vergleichsweise gering. Bei schlechter bewerteten Wertpapieren (auch Junk Bonds oder High Yield Bonds) ist hingegen das Risiko höher, dafür aber auch die Gewinnaussichten. Investiert ein Rentenfond zudem in Divisen, ist das Währungsschwankungsrisiko mit zu beachten. 

Staatsfonds
Als Staatsfonds (Sovereign wealth fund, SWF) werden Fonds bezeichnet, deren Kapital im Eigentum eines Staates steht. Diese Art der Fonds ist in der Regel mit einem sehr hohen Kapital ausgestattet und besitzt daher relativ großen Einfluss auf dem Markt. Der augenblicklich größte Fonds ist der ADIA-Fond der Vereinigten Arabischen Emirate mit einem Volumen von etwa 875 Milliarden US Dollar. Gegründet wurden diese Fonds in erster Linie um einen Ausgleich bei Preisschwankungen von Rohstoffen zu gewährleisten. Weitere Gründe sind der Schutz der Wirtschaft vor einer zu hohen Inflation, das Anlegen von Reserven oder die Anlage von Devisenüberschüssen. In einigen Rechtsordnungen der Staaten sind feindliche Übernahmen von Firmen verboten oder genehmigungspflichtig, da eine solche Übernahme in die Stabilität des Fonds eingreift. Betroffen hiervon sind insbesondere die Rüstungsindustrie, Massenmedien, Telekommunikation und Energieversorgung. Im April 2009 wurde auch in Deutschland das Außenwirtschaftgesetz (AWG) und die Außenwirtschaftsordnung (AWO) dahingehende geändert, dass das Bundesministerium für Wirtschaft bestimmte Investitionen ausländischer Staatsfonds untersagen kann, wenn diese mehr als 25 Prozent der Anteile erwerben wollen.

Sonderformen von Fonds
Da Fonds aus verschiedenen Anlageformen bestehen können, trifft man hin und wieder auch auf speziell ausgestaltete Fonds. Ein Ethikfond legt beispielsweise das Kapital in Windkraft oder Solarkraft an und die Investmentgesellschaft legt das primäre Augenmerk auf ethische oder religiöse Aspekte. Indexfonds sind eine weitere Sonderform. Hier ist ein bestimmter Index (z.B. der DAX oder der Dow Jones) entscheidend für den Verlauf des Fonds. Teileweise gibt es auch Spezialfonds, welche nur von Unternehmen (also juristischen Personen) gekauft werden können. Kleinanlegern und Privatpersonen ist der Erwerb hier nicht gestattet. Seit Anfang 2004 dürfen in Deutschland auch die risikoreichen Hedgefonds herausgegeben werden. Hier ist das Risiko eines Verlustes höher, jedoch versprechen sie auch höhere Erträge im Gewinnfall. Eine weitere Sonderform der Fonds ist der AS-Fonds. Der Altersvorsorgefond besteht zu mindestens 51 Prozent aus Aktien und ist mit einem langjährigen Alterssparplan des Anlegers verknüpft.

Zusammenfassung
Eine gute Wahl für die Geldanlage ist der offene Investmentfond, da dieser in Deutschland sehr stark reglementiert und abgesichert ist. Ob man nun einen größeren Geldbetrag auf einmal anlegen will oder sich eine Sparanlage durch monatliche Zahlungen aufbauen will, bleibt dem Sparer selbst überlassen. Das vielfältige Angebot dieser Fondart ist sowohl für den Anfänger, als auch für den Fortgeschrittenen empfehlenswert.

Geschlossne Investmentfonds sind auffällig durch ihr hohes Risiko, da keine Einlagensicherung vorgeschrieben ist und keine Überwachung durch die BaFin stattfindet. Neben dem Totalverlust, sprechen auch die Haftung und die Nachschusspflicht im Insolvenzfall, sowie die schlechte Handelbarkeit an den Börsen gegen einen solchen Fonds. Nur versierte und risikofreudige Anleger sollten sich auf diese Form der Geldanlage einlassen. Über Sonderformen sollten sich Investoren genau informieren und gegebenenfalls fachkundig beraten lassen.

 

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